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Der Traum von „Nie-mehr-weinen"
Hey! 🙂
Es liegen wieder einmal zwei aufregende Fußball-Wochen hinter uns, in denen einiges los war. Wir nehmen heute das Gladbacher Sorgenkind unter die Lupe, werfen noch einen abschließenden Blick auf die zweite Pokalrunde und lassen das gestrige Topspiel der zweiten Liga Revue passieren. Viel Spaß!
Der Traum vom „Nie-mehr-weinen”

Bild: instagram.com/leeni.jpg
Borussia Mönchengladbach - fünfmaliger deutscher Meister, dreifacher Pokalsieger. Ein mitreißender Traditionsverein, der sich seit Jahren immer weiter in die Belanglosigkeit spielt. Seit nun vier Saisons dümpelt die Borussia im wenig grünen Mittelfeld der deutschen Oberklasse herum. Der zehnte Tabellenplatz scheint bereits im Vorfeld gebucht zu sein. Im letzten Jahr entkam Gladbach gerade so dem Abstieg. Und das, obwohl vor vier Jahren noch Champions League am Niederrhein gespielt wurde. Ist die Borussia der nächste große Traditionsverein, der sich bald in die zweite Bundesliga gesellt?
Als Gerardo Seoane im Sommer 2023 zur Borussia kam, war die Euphorie groß. Schließlich trainierte dieser zuvor Bayer Leverkusen, die er in seiner ersten Saison in die Champions League brachte. Doch mittlerweile werden die Rufe nach einem neuen Trainer immer lauter. Zu wenig Entwicklung und ein ideenloser Fußball sind Punkte, die Seoane vorgeworfen werden. Auch Sportdirektor Roland Virkus steht in der Kritik, nachdem die Transfers nur teilweise zielführend wirkten. Gladbach verstärkte sich vor der Saison mit Tim Kleindienst, der aus Heidenheim kam und auch am Niederrhein sofort funktioniert. In den ersten acht Spielen schoss er bereits sechs Tore. Damit überzeugte er unter anderem auch Julian Nagelsmann, der ihn erstmals in die Nationalmannschaft berief. Doch außer Kleindienst gibt es keinen anderen Gladbacher Spieler, der bisher mehr als ein Tor erzielen konnte.
Ginge es nach dem Expected-Goals-Wert (13,5), wäre Gladbach immerhin Sechster. Doch stattdessen schießt die Borussia gerade einmal 1,4 Tore pro Spiel - ein Wert aus dem unteren Mittelfeld. Und auch, wenn Union immer wieder beweist, wie viele Punkte man aus wenigen Toren schöpfen kann, ist Gladbach davon weit entfernt. Das Problem scheint vielmehr in der Defensive zu liegen. Mit Manu Koné wurde eine feste Größe der Innenverteidigung an die AS Roma abgegeben und gleichzeitig nicht wirklich ein Ersatz verpflichtet.
Aktuell ist Gladbach auch von Verletzungen geplagt. So fehlen zur Zeit mit Omlin, Elvedi, Luca Netz und Rocco Reitz absolute Stammspieler. Doch ungeachtet dessen muss sich schleunigst etwas ändern am Niederrhein. Das Pokal-Aus in Überzahl ließ die Diskussion erneut höherkochen und eine weitere Niederlagen-Serie könnte das Aus für Seoane bedeuten.
Um nicht immer alles schwarzzumalen lohnt sich ein Blick auf die Zukunft in Mönchengladbach. Mit Luca Netz (21) und Lukas Ullrich (20) hat die Borussia auf der Linksverteidiger-Position gleich zwei ehemalige Hertha-Juwelen (danke nochmal), auf die zu setzen ist. Rocco Reitz (21) ist vom Spielertyp enorm wichtig für die Mannschaft und könnte zukünftig an der Seite von Julian Weigl eine tolle Entwicklung nehmen. Auch bei der Nationalmannschaft war Reitz bereits eingeladen - Duisburg represent. Ebenso scheint Robin Hack (26), der vorige Saison aus Bielefeld kam, gut ins System zu passen. Es bleibt aus objektiver Sicht zu hoffen, dass Gladbach den Turnaround schafft und zukünftig endlich wieder auf ein ambitioniertes Ziel schielt: die europäischen Plätze. Denn die Atmosphäre hat es definitiv verdient.
Recap: 2. Runde DFB-Pokal

Bild: Sportschau
Die zweite Runde des Pokals liegt hinter uns und teilte die Berliner Stimmung entzwei. Während in Westend die Fontänen losgingen, nachdem Hertha furios ins Achtelfinale einziehen konnte, sorgte Unions Niederlage in Bielefeld für eine herbe Enttäuschung. Wir lassen die interessantesten Partien noch einmal kurz Revue passieren, bevor bereits heute Abend um 19:00 Uhr (sofern ihr das am Sonntag lest) die Achtelfinal-Duelle ausgelost werden.
FC Augsburg - Schalke 04 (3:0):
Wow, die Floskel „Scheiße am Schuh” trifft die aktuelle Situation der Schalker wohl ziemlich treffend. Die Knappen kassieren gleich zwei Dümpel-Tore, durch einen Platzfehler und einen abgefälschten Freistoß, und bekommen schlussendlich noch ein drittes Tor eingeschenkt, das aufgrund von Abseits nicht hätte zählen dürfen. Der Schalker Auftritt war vermutlich einer der besseren der letzten Wochen, trotzdem reichte es hinten und vorne nicht. Augsburg schlägt nach dem BVB auch noch den Revier-Nachbarn aus Gelsenkirchen und sorgt für einen herausragend schwachen Start des neuen S04-Trainers Kees van Wonderen. Drei Spiele - drei Niederlagen. Augsburg kommt weiter.
VfL Wolfsburg - Borussia Dortmund (1:0 n.V.):
In Dortmund gehen die Diskussionen weiter. Nach der bitteren Niederlage in Madrid und dem schwachen Auftritt in Augsburg fliegt der BVB auch noch aus dem DFB-Pokal. In einer sehr umkämpften Partie schaffte es Dortmund nicht, in der regulären Spielzeit zum Torerfolg zu kommen, sodass die Verlängerung Abhilfe schaffen musste. In der 117. Spielminute schießt Jonas Wind die Autostadt ins Achtelfinale und verschärft die Dortmunder Krise. Zumindest konnte der BVB im gestrigen Bundesliga-Topspiel gegen Leipzig einen Sieg einfahren.
Hertha BSC - 1. FC Heidenheim (2:1):
Hertha kam als Underdog und doch beflügelt durch die Siege gegen Braunschweig und Karlsruhe sehr stark in die Partie. In der ersten Halbzeit zeigten die Blau-Weißen die bisher beste Saisonleistung, ließen Heidenheim keinen Zentimeter Platz und gingen durch Derry Scherhant verdient in Führung. Nach dem Wechsel wurde Heidenheim besser, doch in der 74. Minute traf Hertha erneut. Michaël Cuisance, der aktuell alles und jeden überragt, sorgte für das 2:0. Zum Schluss wurde es eine Zitterpartie. Heidenheim verkürzte in der 89. Minute zum 2:1 und in der letzten Minute der Nachspielzeit sogar noch zum 2:2. Doch auch ohne VAR war sich der Linienrichter sicher, dass Márton Dárdai zwei Szenen vorher zu Boden gestreckt wurde. Übrigens eine objektiv vertretbare Entscheidung, auch wenn die Entscheidungsfindung des Schiedsrichtergespanns von den Rängen schwer nachvollziehbar war. Sei’s drum. Der Traum lebt! Hertha spielt auch in dieser Saison im Achtelfinale des Pokals.
Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchengladbach (2:1):
Ein wildes Spiel am Main. Eintracht Frankfurt bekam in Person des Innenverteidigers Arthur Theate in der 15. Spielminute die rote Karte, nachdem er sich kurzerhand selbst zum Torwart ernannte. Gladbach spielte also 75 Minuten in Überzahl. Der wahnsinnig starke Ekitiké sorgte trotzdem für das 1:0, kurz nach der Pause glich Itakura nach einer Ecke aus. Zwanzig Minuten vor Schluss schnappt sich - na klar - Omar Marmoush nach einem Gewusel im Strafraum die Pille und trifft zum 2:1. Nach dem Treffer zieht er sich eine Halloween-Maske auf und jubelt in ikonischer Manier vor der Kurve. Gladbach kann das Spiel trotz der übermäßig langen Überzahl nicht für sich entscheiden und rutscht immer tiefer in die Krise.
Arminia Bielefeld - 1. FC Union Berlin (2:0):
Für die wohl größte Überraschung in der zweiten Pokalrunde sorgte Arminia Bielefeld, die schlussendlich mit 2:0 gegen Köpenick gewinnen konnten. Trotz doppelt so vieler Torschüsse und über 70% Ballbesitz gelang es Union einfach nicht, das Tor zu treffen. Dass Arminia Bielefeld es tatsächlich vollbracht hat, gleich zwei Tore gegen Union zu schießen, ist wahrlich beachtlich. Schließlich kassierte Union zuvor in den ersten acht Bundesliga-Partien insgesamt nur fünf Tore. Damit ist Bielefeld nun die einzig verbliebene Mannschaft im Pokal aus den unteren Ligen des deutschen Fußballs.
Dynamo Dresden - SV Darmstadt 98 (2:3 n.V.):
Dynamo sorgte mal wieder mit einer unglaublichen Pyro-Show für Furore im Pokal. Sportlich sah es lange nach einem verdienten Sieg für Darmstadt aus, bevor Dresden in der zehnten Minute der Nachspielzeit doch noch den Ausgleich erzielen konnte und die Paarung somit in die Verlängerung brachte. Am Ende waren die Lilien unter neuer Führung durch Florian Kohfeldt jedoch zu abgezockt und zogen schließlich verdient den Sieg.
🌐 Hertha-Update: 11. Spieltag 🌐

Bild: Soeren Stache/dpa
Es hätte die perfekte englische Woche werden können. Hertha traf innerhalb von sieben Tagen auf gleich drei absolute Top-Teams. Dabei konnten die Blau-Weißen zuerst 1:3 in Karlsruhe gewinnen und anschließend mit dem 1. FC Heidenheim einen Conference-League-Teilnehmer aus dem Pokal werfen.
Schließlich stand am gestrigen Abend das Duell zwischen Hertha und dem Effzeh an, auf das viele wochenlang hinfieberten. Die Atmosphäre war atemberaubend, das Stadion mit beinahe 69.000 Zuschauenden prall gefüllt und die Vorfreude riesig. Beide Fan-Lager boten sehenswerte Pyro-Einlagen, wobei die Herthaner Aktion definitiv mehr Aufsehen erregte. Das Spiel verlief allerdings konträr zur Stimmung. Beide Mannschaften konnten sportlich kaum überzeugen, die Partie war sehr zerfahren. Viele Fouls, viele Verletzungsunterbrechungen und wenige Torchancen. Köln konnte sich mit einer überragenden Situation den Führungstreffer sichern und von Hertha kam offensiv viel zu wenig. Dazu kamen auf Hauptstadt-Seite teils schlimme Abspiel- und Defensivfehler. Am Ende gelang es der Alten Dame einfach nicht, ein Tor zu erzielen, sodass der Effzeh das Topspiel relativ glücklich mit 0:1 gewann. Ein Unentschieden wäre definitiv leistungsgerecht gewesen.
Was folgte war eine absolute Charlottenburger Kneipen-Invasion der Kölner - rot-weiße Schals und Trikots, soweit die Augen reichten. Man feierte den Sieg ausgelassen und Fans beider Mannschaften tranken zusammen.
Was bei Hertha bleibt, ist die Frage der offensiven Schlagkraft. Dennoch ist es absolut in Ordnung, aus so einer schwierigen Woche mit zwei Siegen zu gehen. Der Anschluss an die Tabellenspitze ist wiederhergestellt und der Glaube an sich selbst scheint in der Mannschaft angekommen zu sein. Das Pokal-Spektakel geht weiter und in der Liga warten nun in den kommenden Wochen machbare Aufgaben. Mund abwischen und weiter geht’s!
Coming up:
🏆 So, 03.11., 19:00 Uhr: Auslosung Achtelfinale DFB-Pokal
📅 Sa, 09.11., 13:00 Uhr: SV Darmstadt vs. Hertha BSC (auswärts)
⏸️ Länderspielpause
📅 Sa, 23.11., 13:00 Uhr: Hertha BSC vs. SSV Ulm (heim)
📅 Fr, 29.11., 18:30 Uhr: 1. FC Magdeburg vs. Hertha BSC (auswärts)